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Stylus

# Handhelds, PDAs und mobile Vorgeschichte

← ./magazin 19. Mai 2026
Restauration · 7 min

Palm-Restauration — Akku, Display, Stylus-Spitze

Drei Reparaturen, mit denen man fast jeden Palm der späten 90er und frühen 2000er wieder zum Laufen bekommt. Mit Werkzeugliste, Bezugsquellen 2026 und ehrlichen Hinweisen, wo Bastelarbeit endet und ein Spezialbetrieb anfängt.

Wer 2026 einen Palm aus dem Schrank holt — eigenen Bestand, Flohmarkt­fund, eBay-Erbschaft — wird in den meisten Fällen drei Probleme finden: Der Akku ist tot, das Display reagiert nicht mehr richtig, und die Stylus-Spitze ist verschlissen. Glück im Unglück: Alle drei Reparaturen sind in einer gut sortierten Heim­werkstatt machbar. Schlechte Nachricht: Bei jeder einzelnen lauert ein Detail, an dem man das Gerät komplett zerstören kann, wenn man nicht aufpasst.

Dieser Artikel beschreibt die drei Standard-Eingriffe an Palm V, Palm m500-Serie und Tungsten T1/T2/T3 — die Geräte, die in der aktiven Sammler­szene am häufigsten in Reparatur kommen. Andere Modelle (Treo-Reihe, Zire) folgen ähnlichen Mustern, haben aber im Detail abweichende Befestigungen.

Werkzeug, das du brauchen wirst

Bevor wir in die Eingriffe gehen, die Werkzeug­liste. Sparen Sie hier nicht — schlechtes Werkzeug verkratzt die Aluminium­oberflächen unwiederbringlich.

Schraubendreher:
  Torx T5            (Tungsten-Reihe, m500-Serie)
  Phillips PH00      (Palm V Innenstruktur)
  Spudger Plastik    (Klebespalt Palm V, Bildschirm-Demontage)
  Saugnapf 30 mm     (Display abheben)

Verbrauchsmaterial:
  Isopropanol 99%    (Klebereste lösen)
  Heißluftpistole    (auf 60 °C regelbar — wichtig)
  Antistatik-Matte   (auf jeden Fall, nicht optional)
  Trennfolie LiPo    (für Akkutausch)

Ersatzteile:
  LiPo 603040, 700-900 mAh (Palm V, Tungsten T1-T3)
  Touch-Folie 160×160 oder 320×320 (modellabhängig)
  Stylus-Spitze M2.5 POM oder Soft-PVC

Die Heißluftpistole ist der heikelste Punkt. Wer mit 200 °C wie an einer Heizungs­rohrleitung arbeitet, schmilzt den Display-Rahmen und ruiniert die LCD-Polarisations­schicht. Ein professioneller Heißluft­fön mit Temperatur­regelung — 60 bis maximal 80 °C für Klebepunkte, das ist das Limit — ist nicht verhandelbar.

Eingriff 1: Akku-Tausch

Der häufigste Eingriff. Bei einem Palm V oder Tungsten T2, die 25 bzw. 22 Jahre alt sind, ist der originale Lithium-Polymer-Akku in praktisch jedem Fall tot. „Tot” heißt: Die Tiefentladung der letzten Jahre hat die Zelle so weit unter die kritische Spannung gebracht, dass eine Aufladung gefährlich wäre — die innere Chemie kann beim ersten Lade­vorgang ausgasen, im schlimmsten Fall in Brand geraten. Wer einen ungeöffneten Palm mit Original­akku ohne Prüfung an die Lade­station hängt, geht ein reales Brand­risiko ein.

Die saubere Lösung: Öffnen, Original­akku entfernen, durch einen LiPo-Ersatz mit passender Kapazität und Bau­form ersetzen.

Palm V: Das Gehäuse ist verklebt, nicht verschraubt. An der Naht zwischen Front- und Rückschale, knapp unter dem Display-Rand, sitzt der Klebespalt. Mit einer Heizmatte oder einem Heißluft­fön bei 60 °C den gesamten Klebespalt für etwa 90 Sekunden gleichmäßig erwärmen, dann mit einem dünnen Plastik­spudger an der unteren Kante einsetzen und langsam um das Gerät führen. Geduld ist Pflicht — wer zu schnell zieht, verbiegt die Aluminium­schale unwieder­bringlich.

Im Inneren findet sich die LiPo-Zelle als flacher Pack, etwa 50 × 30 × 4 mm, auf der Haupt­platine fest verklebt mit zwei Lötkontakten (Rot/Plus, Schwarz/Minus). Entlöten, neue Zelle (603040, 700 mAh, eBay 2026 etwa 12 Euro) auflöten — Polarität streng beachten, ein verpolter LiPo gibt unmittelbar einen Kurzschluss. Trennfolie zwischen Zelle und Platine, dann zusammenkleben mit einem dünnen Streifen doppelseitigem Klebeband.

Tungsten T3: Hier liegt die Tücke in der Pin-Belegung. Der Original­akku des T3 hat einen drei­poligen Stecker (Plus, Minus, Thermistor), und die Schutz­schaltung der Palm-Hauptplatine prüft den Thermistor­wert beim Laden. Ein einfacher LiPo ohne Thermistor wird vom Gerät als „Akku defekt” erkannt und nicht geladen. Lösung: Entweder einen Thermistor von etwa 10 kΩ NTC zwischen Plus und der dritten Leitung schalten, oder einen LiPo mit integrierter Schutz­schaltung kaufen, wie ihn iFixit 2026 unter dem Namen „T3 Refurb-Kit” anbietet.

Sicherheits­hinweis, der nicht oft genug wiederholt werden kann: LiPo-Zellen reagieren bei mechanischer Beschädigung — Punktion durch einen Schrauben­zieher etwa — mit thermischem Durchgehen. Das heißt: Sie geraten in Brand und sind mit Wasser nicht löschbar. Wer eine LiPo-Zelle aus einem Palm entfernt, arbeitet auf einer feuer­festen Unterlage, hat einen Eimer Sand griff­bereit, und macht den Eingriff nicht abends um 23 Uhr im Bett.

Eingriff 2: Display und Touch-Layer

Display-Probleme an Palm-Geräten zerfallen in drei Kategorien, und die Diagnose ist der halbe Weg zur Reparatur.

Touch-Kalibrierung verschoben: Der Stift trifft das Symbol nicht, sondern einen Bereich daneben — gleichmäßig in eine Richtung verschoben. Das ist die einfachste Klasse. Recovery-Menü öffnen (auf den meisten Palms durch Halten der Power-Taste beim Soft-Reset über den Reset-Pin auf der Rückseite), Kalibrierungs­routine starten, die fünf Punkte auf dem Display nachfahren. Fertig.

Tote Zonen am Rand: Der Stift wird in der Mitte erkannt, an einem oder mehreren Rändern nicht. Das ist die häufigste alters­bedingte Schwäche, und sie hat ihre Ursache in den dünnen Leitbahnen am Touch-Folien-Stecker, die mit der Zeit oxidieren oder vom Stecker rutschen. Behebbar, aber nur mit Öffnen des Geräts: Display vorsichtig abheben (Saugnapf bei moderater Erwärmung der Klebenähte), Folien­stecker lösen, Kontakte mit Isopropanol reinigen, Stecker neu setzen, vorsichtig wieder einrasten lassen. In etwa 60 Prozent der Fälle löst das das Problem für weitere zwei bis drei Jahre. Wenn nicht, ist die Folie mechanisch verschlissen und muss ersetzt werden.

Verschmutzung zwischen Touch und LCD: Beim Tungsten T3 und einigen späten m505 hat sich gezeigt, dass mit den Jahren feine Staub- und Talg­partikel zwischen Touch-Folie und LCD-Glas wandern können — bedingt durch den Druck­ausgleich der Folie bei Temperatur­schwankungen. Symptom: Sichtbare Schatten oder Schlieren unter der Berührung. Behebung: Display abheben (vorsichtig, der Folien­stecker bleibt verbunden), mit einem Mikrofaser­tuch und Isopropanol die Innenseiten reinigen, wieder zusammen­setzen. Wer hier mit Druck arbeitet, beschädigt das Polarisations­filter — und ein Tungsten T3 ohne Polarisations­filter ist optisch unbrauchbar.

Pixelfehler vs. tote Zeilen: Die diagnostische Unterscheidung ist wichtig. Einzelne tote Pixel — schwarz oder dauerhaft weiß — sind ein Defekt der LCD-Matrix selbst und nicht reparabel. Eine ganze tote Zeile oder Spalte hingegen ist meist ein Kontaktproblem am LCD-Folien­stecker, ähnlich der Touch-Folien-Diagnose oben. Hier hilft das Reinigen und Neusetzen des Steckers in vielen Fällen.

Eingriff 3: Stylus-Spitze

Der unauffälligste, aber unter­schätzte Eingriff. Die originalen Palm-Stylus-Spitzen waren aus einem weichen Filz­material — heute, nach 20+ Jahren, meist verschlissen, brüchig oder ganz abgefallen. Mit einer abgenutzten Spitze leidet die Touch-Folie erheblich, weil der harte Metall- oder Kunststoff-Kern direkt auf der Folie schleift.

Die meisten Palm-Stylus haben ein M2.5-Schraub­gewinde an der Spitze. Original-Ersatz gibt es bei spezialisierten Anbietern, im Jahr 2026 vor allem über RetroFlux (Berlin, geringe Stückzahlen) und über kleinere Etsy-Anbieter, die POM-Drechselteile als Stylus-Spitzen anbieten. Soft-PVC ist die Alternative für Anwender:innen, die das weiche Original-Feeling wollen — POM (Polyoxymethylen) hat ein präziseres Schreibgefühl, schleift aber stärker.

Wechsel ist trivial: Alte Spitze abschrauben (häufig sitzt sie fest, ein dünner Tropfen Isopropanol hilft beim Lösen), neue Spitze handfest einschrauben — kein Werkzeug, das Gewinde ist zu fein. Bei den späteren Stylus-Modellen der Tungsten-Reihe ist die Spitze nicht geschraubt, sondern eingepresst; hier hilft ein vorsichtiges Erwärmen des Stylus-Schafts auf 50 °C, dann lässt sich die alte Spitze mit einer Spitzzange herausziehen, die neue per Druck einsetzen.

Bezugsquellen 2026

Die Versorgungslage für Palm-Ersatzteile ist im fünfzehnten Jahr nach Palm’s Ende erstaunlich stabil, vor allem dank einer kleinen Anzahl spezialisierter Anbieter.

iFixit führt seit 2024 wieder Refurb-Kits für Palm V und Tungsten T3 mit LiPo-Ersatz und Werkzeug. Die Kits liegen zwischen 25 und 40 Euro. Qualität ist solide, die Anleitungen sind gut bebildert.

RetroFlux in Berlin ist die Anlauf­stelle für Display-Folien und schwer zu beschaffende Spezial­teile (Klapp­scharniere für Series 5, Touch-Folien für Palm-Geräte ab Tungsten). Klein­serien­fertigung, lange Liefer­zeiten (4 bis 8 Wochen), aber Qualität auf Industrie­niveau.

Etsy hat eine kleine, aber aktive Szene von Drechslern und Klein­bastlern, die Stylus-Spitzen, Schutz­folien und gelegentlich auch komplette Repro-Stylus anbieten. Suche nach „Palm Stylus replacement” oder „Tungsten T3 tip” — die Treffer­quote ist 2026 erstaunlich hoch.

eBay Deutschland und eBay Kleinanzeigen liefern weiterhin LiPo-Zellen in passenden Bau­formen (603040, 503450), gelegentlich auch komplette tote Palm-Geräte zum Ausschlachten — was die bei weitem günstigste Quelle für Original-Display-Folien ist.

Was du nicht selbst machen solltest

Drei Eingriffe, bei denen Bastelarbeit endet und ein Spezial­betrieb anfängt:

Erstens, die Reparatur eines Treo 650 mit Wasser­schaden. Die Korrosion auf der mehr­lagigen Platine ist mit Haus­mitteln nicht zuverlässig zu entfernen, und der Treo 650 ist 2026 selten genug, dass eine misslungene Reparatur ein wertvolles Sammlerstück zerstört. Hier hilft nur eine professionelle Platinen­reinigung im Ultraschall­bad mit anschließender Mikroskop-Inspektion.

Zweitens, das Auslöten von BGA-Chips bei toten Tungsten C oder Treo 750. Die Ball-Grid-Arrays sitzen auf vielschichtigen Platinen mit empfindlicher Verguss­masse, und ohne Rework-Station mit Unter­hitze ist ein erfolg­reiches Ent- und Wieder­löten praktisch ausgeschlossen.

Drittens, jeder Eingriff an einem Palm-Gerät mit aktiver, nicht entladener Original-Batterie, bei dem unklar ist, ob die Zelle bereits aufgebläht ist. Wer das Gehäuse öffnet und sieht, dass die LiPo-Zelle deutlich dicker geworden ist als der Original­spec — Vorsicht: Hier liegt eine akute Brandgefahr vor. Gerät in einen feuer­festen Behälter (Metall­dose, Sand­box) legen, draußen sicher verwahren, eine fach­kundige Person konsultieren.

Alles andere ist Werkstattarbeit. Mit ruhiger Hand, einer guten Lampe und dem Wissen, dass jedes der Geräte, an denen du heute schraubst, ein bisschen Computer­geschichte ist, die durch deine Arbeit weiter benutzbar bleibt.


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