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Stylus

# Handhelds, PDAs und mobile Vorgeschichte

← ./magazin 25. Mai 2026
Geräte · 7 min

Psion Series 5 — die Tastatur, die alle danach beschämt hat

1997 brachte Psion einen Handheld auf den Markt, dessen ausklappbare Tastatur bis heute, fast drei Jahrzehnte später, im mobilen Segment unübertroffen ist. Über eine mechanische Konstruktion, die man vermutlich nicht mehr bauen würde.

Es gibt eine kleine Liste von Dingen, bei denen die mobile Computer­industrie seit den 90er-Jahren ungerichtet rückwärts gegangen ist. Akku­standzeit gehört dazu, physikalische Tasten allgemein, und ganz oben — als unbestrittener Champion einer verlorenen Disziplin — steht die ausklappbare Tastatur des Psion Series 5 von 1997. Wer sie einmal benutzt hat, erinnert sich daran. Wer sie nie benutzt hat, hält die Beschreibung für übertrieben. Sie ist es nicht.

Der Series 5, später in der überarbeiteten Variante 5mx von 1999, war ein Handheld in der Größe einer fetten Brieftasche: 170 × 90 × 23 Millimeter zugeklappt, 354 Gramm Gewicht. Im aufgeklappten Zustand ein 640 × 240-Pixel-Touchscreen oben, eine voll­wertige QWERTY-Tastatur unten. Das Besondere: Die Mechanik, die das Display in Position bringt, war keine simple Schar­nier­konstruktion. Sie war ein Schlitten­scharnier, das beim Öffnen das Display nach vorne schob und gleichzeitig die Tastatur nach hinten kippte, sodass das gesamte Gehäuse in der geöffneten Position vollkommen stabil auf dem Tisch stand. Man konnte tippen, ohne das Gerät festzuhalten.

Was die Tastatur konnte, was andere nicht konnten

Die einzelnen Tasten des Series 5 hatten einen Hub von etwa 2 Millimetern — was in der Welt der Notebook-Tastaturen nicht ungewöhnlich klingt, aber für ein Gerät dieser Größe damals und heute eine kleine Ingenieurs­leistung darstellt. Die Tasten saßen auf einer gefederten Rubber-Dome-Matrix mit einem überraschend präzisen Druck­punkt. Es klickt nicht, es plopt — ein gedämpftes, taktiles Feedback, das dem mechanischer Tastaturen ähnelt, ohne das Geräusch.

Die Anordnung war 60-Prozent eines normalen Layouts, mit eigener Logik bei der Sondertasten-Belegung: Strg, Funktion, Menu, alles auf einer Höhe mit der Leertaste. Die Touch-Typing-Geschwindigkeit, die man mit etwas Übung erreichte, lag bei 60 bis 80 Wörtern pro Minute — auf einem Gerät, das vollständig in eine Sakko-Innen­tasche passte.

Was die Tastatur strukturell so besonders machte, war das, was die Industrie heute „mechanisches Engineering” nennen würde: Sie war kein abgespecktes Konstrukt aus Membranen und Plastik, sondern eine eigenständige Bau­gruppe mit gefederten Tasten­stempeln, Aluminium­rahmen und einer Bodenplatte, die strukturell zum Gehäuse­stabilität beitrug. Wer einen Series 5 öffnet — und das ist heikel, dazu gleich — sieht eine Bauweise, die in einem modernen Konsum­gerät schlicht nicht mehr finanziert werden würde.

Die Series-5-Tastatur ist nicht deshalb gut, weil Psion 1997 weniger Kosten­druck hatte. Sie ist deshalb gut, weil das Engineering-Team eine Entscheidung getroffen hat, die jedes Smart­phone-Team seit 2010 anders herum getroffen hat.

Heute, 2026, gibt es zwar Bluetooth-Faltastaturen — die japanischen iClever-Modelle, die alten Logitech-Falt­konstruktionen aus den 2010ern, das ein oder andere Crowdfunding-Projekt — aber keine davon erreicht das taktile Feedback und die mechanische Stabilität der Series-5-Konstruktion. Faltbare Tastaturen sind heute immer ein Kompromiss: Entweder sie sind dünn und ohne Hub, oder sie sind robust und groß. Psion hatte das Problem 1997 gelöst, indem die Tastatur selbst Teil der Gehäuse­statik war, nicht ein nach­träglich angeklipstes Zubehör.

EPOC32 — das clevere OS darunter

Der Series 5 lief auf EPOC32, einem 32-Bit-Multitasking-Betriebs­system, das Psion über Jahre intern entwickelt hatte. EPOC war kein vereinfachtes Embedded-Linux, kein heruntergedimmtes Windows. Es war eine eigene Architektur: ein präemptiver Mikro­kernel mit Echtzeit­fähigkeit, ein objekt­orientiertes Anwendungs­framework, eine eigene C++-Klassen­bibliothek, ein eigenes Datei­system. Anwendungen — der Word-kompatible Texteditor, die Sheet-Tabellen­kalkulation, der Agenda-Terminkalender — luden in unter einer Sekunde. Auf 18 MHz.

Was EPOC32 dann später zu Symbian wurde, ist eine andere Geschichte — eine in vielerlei Hinsicht traurige, weil die Eleganz des EPOC32-Designs in der Nokia-Ära schrittweise verwässert wurde, bis am Ende ein OS übrig blieb, das niemand mehr verteidigen wollte. Aber im Series 5 sah man, wie gut EPOC32 war, wenn es nicht für ein Telefon optimiert werden musste: schnell, stabil, klein, und mit einem Fenster­system, das mit Stift und Tastatur gleichermaßen umgehen konnte.

Die technischen Eckdaten

Für die Liebhaber der konkreten Zahlen, die Spezifikation des 5mx von 1999:

CPU:        ARM 710T @ 36 MHz
RAM:        16 MB (8 MB im Series 5 von 1997)
ROM:        10 MB (EPOC32 + Apps in einem Block)
Display:    640 × 240, 16 Graustufen, Touchscreen
Speicher:   CompactFlash Typ I (max 256 MB praktisch)
Strom:      2 × AA, ca. 35 Stunden Laufzeit
Maße:       170 × 90 × 23 mm, 354 g
Schnittstellen: RS-232 seriell, IrDA, CF-Slot

Bemerkenswert an dieser Liste ist die Stromversorgung. Der Series 5 lief auf zwei AA-Zellen — Standard-Alkaline, NiMH-Akkus, was immer man hatte. Es gab keinen integrierten Akku, keinen Lade­anschluss am Gerät selbst. Das war 1997 schon konservativ und wurde im Vergleich zu den moderneren Palm-Geräten (mit ihren Wieder­auflade­zyklen) als Schwäche empfunden. Heute ist es ein riesiger Vorteil: Ein Series 5, der im Schrank gelegen hat, wird durch das Einlegen zweier frischer AA-Zellen wieder zum Leben erweckt. Keine LiPo-Restauration, keine Akku-Brand­gefahr, keine ausgehärteten Klebe­stellen.

Die Schwächen, ohne Beschönigung

Die CompactFlash-Unterstützung war auf Typ I beschränkt, was bei modernen Karten zu Inkompatibilitäten führt. Karten über 256 MB werden zwar erkannt, das Datei­system stolpert aber bei großen FAT16-Volumes. Wer einen Series 5 mit Speicher versorgen will, sollte sich CF-Karten mit 128 oder 256 MB suchen — die gibt es noch bei Industrie­zulieferern und in einschlägigen eBay-Suchen.

Die ernstere Achillesferse ist das Display, genauer: die Touch-Folie über dem Display. Bei nahezu jedem Series 5 und 5mx, der 2026 noch in Sammler­hand ist, gibt es früher oder später ein Problem mit der Touch-Schicht. Die häufigste Form: An den Rändern wird der Stift nicht mehr erkannt; in der Mitte ist die Erkennung präzise. Ursache ist eine Korrosion der dünnen Leiter­bahnen an den Folien-Anschlüssen, die mit den Jahren aus dem Stecker rutschen oder oxidieren. Ein Ersatz ist möglich, aber nicht trivial — die Folie muss vorsichtig vom Display gelöst werden, und passender Ersatz ist nur über Spezial­anbieter wie RetroFlux oder vereinzelt über Reparatur­kits aus Polen erhältlich.

Das zweite Schwach­punkt: der Klapp­mechanismus. Der berühmte Schlitten­scharnier-Mechanismus ist mechanisch komplex, und nach 25 Jahren beginnen die Kunststoff­führungen zu spröde zu werden. Wer einen Series 5 öffnet und mit einem hörbaren Knack zuklappt, hat das Risiko, dass eine der Führungs­schienen bricht. Vorbeugend hilft ein dünner Auftrag von Silikon­fett auf die Führungen — alle drei Jahre, wenn man das Gerät aktiv benutzt.

Was bleibt

Der Psion Series 5 ist heute weniger ein nutzbares Werkzeug als ein technischer Zeuge dafür, dass mobile Computer einmal anders gedacht wurden. Er war nicht das schönste Gerät seiner Zeit — der Palm V hatte das schönere Industrie­design, der Newton MessagePad 2100 hatte den raffinierteren Bildschirm — aber er war das Gerät, das am ehrgeizigsten die Frage gestellt hat, ob man auf einem Handheld wirklich schreiben können müsste. Die Antwort war: ja, und so geht es.

Dass die Antwort nach 1999 in Vergessenheit geriet, dass die Industrie ihre Energie statt­dessen in immer dünnere, immer touch-only Geräte investierte, ist eine Entscheidung, deren Konsequenzen wir mit jeder fehlgetippten Whatsapp-Nachricht spüren. Der Series 5 ist die ungerichtete Erinnerung daran, dass es einmal anders ging.

In der Sakko­tasche. Auf 36 MHz. Mit zwei AA-Zellen für fünf Wochen.


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